Herr Diener, wie fühlen Sie sich bei dieser respektablen Leistung als freiwilliger Fahrer für das SRK?
Für das SRK zu fahren, ist immer sehr interessant. Ich engagiere mich für eine wohltätige Institution. Die Herausforderung, täglich parat und bereit zu sein, strukturiert meinen Alltag. Das unterschiedliche Kundensegment ermöglicht es mir, bei jeder Fahrt neue Menschen kennenzulernen.
Was bedeutet Ihnen dieser Fahrdienst?
Ich ging mit 58 Jahren in den Ruhestand – (Beat Diener zählt die Jahre) – hu, das sind inzwischen 14 Jahre Pension und 8 Jahre Fahrdienst! Zuvor war ich als Berufsoffizier in der Funktion «Kommandant Kompetenzzentrum Militärmusik» tätig und durch die rege Konzerttätigkeit der über 20 Spielformationen schweizweit unterwegs. Zudem befanden sich meine Bürostandorte in Aarau und Bern. Mit dieser Ausgangslage legte ich monatlich bis zu 5'000 Kilometer zurück. Das prägt und hinterlässt ein Bedürfnis, unterwegs zu sein.
Ohne diesen Fahrdienst für das SRK würde ich privat monatlich deutlich unter 1'000 Kilometer fahren. So jedoch hält es meine Sinne wach, und ich erfahre sehr viel über und von Menschen, denen ich sonst nicht begegnen würde.
Wie kamen Sie zum SRK-Fahrdienst?
Nach meiner Pension suchte ich einen Ausgleich, und ein Kollege brachte mich mit dem damaligen Leiter des SRK-Notrufs in Kontakt. Schnell erkannte ich meine neue Berufung sowie die erneute geistige und körperliche Herausforderung. Eine inaktive Seniorenzeit könnte ich mir nicht vorstellen – vor allem, da diese Aufgabe anderen und auch mir selbst einen grossen Segen bringt.
In welchem räumlichen Radius fahren Sie Ihre Kunden?
Mehrheitlich erfolgen die Einsätze ab Arth im inneren Kantonsteil von Schwyz sowie in den angrenzenden Kantonen Zug und Luzern. Fahrten nach Zürich in verschiedene Kliniken (USZ, Balgrist, Hirslanden, Schulthess etc.) sind ebenfalls üblich. Es gab jedoch auch mehrere Einsätze in den Kanton Bern und nach Davos.
Wie nutzen und erleben Ihre Kunden den Fahrdienst?
In der Regel werde ich einen Tag vorher durch die SRK-Zentrale für eine Fahrt angefragt, die ich ausschliesslich über diese Stelle annehme. Das hat auch versicherungsrechtliche Gründe. Privat führe ich keine Fahrten ohne offiziellen Auftrag durch.
Ich nehme Kontakt mit dem Kunden oder der Kundin auf und kläre alle Details, die mir durch die SRK-Zentrale nicht mitgeteilt werden können. Die Kunden teilen mir dann auch mit, wo genau ich sie abholen kann, da es kurzfristig zu Strassenumleitungen kommen kann, über die nur die Personen vor Ort informiert sind. Die Kunden sind weitgehend gut über die Fahrdienstleistungen informiert.
Was kostet ein SRK-Fahrdienst für die Kunden?
Das SRK bietet auf seiner Website eine gute Übersicht über die Tarife. Diese unterscheiden sich je nach Kategorie, beispielsweise für Altersrentenbezüger, Heimbewohner oder andere Kunden.
Berechnet werden die gesamten Kilometer pro Fahrauftrag, die Wartezeit des Fahrers, eventuelle Umtriebskosten bei Auftragsabsage sowie eine einmalige Administrationsgebühr pro Jahr.
Der Rotkreuz-Fahrdienst ist kein medizinischer Notfalldienst. Die Dienstleistung wird durch freiwillige Fahrerinnen und Fahrer erbracht. Die Durchführung einer Fahrt kann nicht in jedem Fall garantiert werden. Fahrten sind so früh wie möglich und ausschliesslich über die Fahrdienst-Vermittlung anzumelden.
Die Fahrstrecke umfasst sämtliche für den Auftrag gefahrenen Kilometer. Für die Routenwahl ist die Fahrerin oder der Fahrer verantwortlich und wählt zum Zeitpunkt des Transportes den optimalen und direktesten Weg zum Fahrziel.
Angemeldete Fahraufträge sind verbindlich und werden nicht rückbestätigt. Der Fahrgast wird nur dann benachrichtigt, wenn eine Fahrt nicht ausgeführt werden kann.
Die Öffnungszeiten der Fahrdienst-Einsatzzentrale sind Montag bis Freitag von 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr.
Tel. 041 544 37 00
fahrdienst@srk-schwyz.ch
www.srk-schwyz.ch/fahrdienst
Was ist der Unterschied zu einem Taxidienst?
Ein Taxi holt in der Regel ab und hilft beim Aussteigen. Unser Fahrdienst geht weiter und kümmert sich um den Kunden, bis er an einer Haustür oder in einem Spital in Empfang genommen wird. Zudem ist es mir ein Anliegen, vor jeder Fahrt alle relevanten Details direkt mit dem Kunden zu klären. Es können sich seit der Bestellung einer Fahrt Veränderungen ergeben haben.
Kam es während Ihrer Fahrten auch zu aussergewöhnlichen Erlebnissen?
Allerdings – jede Fahrt ist einzigartig. Da gab es beispielsweise eine leicht verwirrte Kundin, die bei der Abholung meinte, es sei das falsche Datum vereinbart worden. Wie sich herausstellte, war das Datum korrekt.
Oder ein Fahrgast, der sich nach der Ablieferung in einer Klinik orientierungslos fühlte und ausrief: «Hilfe, das ist eine Entführung!» In einem anderen Fall war bei einer Klinikeinlieferung ein Name unvollständig eingetragen, und wir mussten mit dem Kunden durch das halbe Spital gehen, bis wir jemanden fanden, der das Missverständnis klären konnte.
Ganz schön aufregend?
Aber nein, die positiven Erlebnisse überwiegen. Ein Kunde setzt sich nach hinten, hört Musik und schweigt während der ganzen Fahrt – das scheint für ihn wie eine Therapie zu sein. Ein anderer Kunde «börselet» (handelt an der Börse); ich selbst pflege ebenfalls dieses Interesse, und so können wir uns bei jeder Fahrt über die neuesten Entwicklungen an den Handelsmärkten austauschen.
Wenn ich auf einen Kunden warte, lese ich entspannt im Auto auf dem Tablet Nachrichten oder informiere mich über andere spannende Themen.
Können Sie den Fahrdienst Bekannten weiterempfehlen, die – wie Sie – Zeit, Motivation und gute Voraussetzungen als freiwilliger Fahrer für das SRK haben?
Generell ja. Es ist und bleibt eine gesunde Aktivierung der eigenen Ressourcen, die man gerade im Alter pflegen sollte. Natürlich muss eine Fahrerin oder ein Fahrer fit sein und die besondere Pflicht der Bereitschaft akzeptieren. Zudem sollte man stressresistent sein, denn Fahrten in Stadtzentren oder ausserhalb normaler Zeiten – etwa nachts – können als anspruchsvoll empfunden werden.
Viele Bekannte profitieren allerdings lieber selbst vom Fahrdienst.
18.02.2026
Axel B. Bott